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Silvio Klösel

 
Wir wollen an dieser Stelle die Geschichte unseres Vereinsmitgliedes Silvio erzählen, die einen wesentlichen Anteil an unserem Engagement in Bezug auf das „Biken mit Handicap“ hat.

Silvio wurde am 23. März 1969 geboren. Seine Entwicklung verlief in geregelten Bahnen und war gezeichnet von dem Willen, im Leben etwas zu erreichen.
Nach der Schule lernte er in den 80ern Dreher, erwarb bei der Armee die Qualifikation zum Berufskraftfahrer und musste auf Grund der Wende Anfang der 90er Jahre auf den Beruf des Raumausstatters umschulen. Mit der Einstellung in einem großen Bau-und Gartencenter in Löbau und der Ausbildung
zum Fachverkäufer für Bau-und Gartenmärkte erfüllte er sich 1999 einen lange gehegten Wunsch.

Auch privat lief alles bestens. Nach der Heirat im Jahre 1995 komplettierten 1997 und 1998 die Wunschkinder Toni und Vicky die Familie. 1998 erwarb die Familie in Leutersdorf ein großes altes Herrenhaus und begann dieses liebevoll zu sanieren. Wie ein roter Faden zog sich auch zu diesem Zeitpunkt schon die Passion – Motorradfahren - durch Silvios Leben. Als Jugendlicher mit einer TS 150, die nach einigen Jahren gegen eine ETZ 250 getauscht wurde, unterwegs, gab es im Jahr 2000 auch für Silvio das erste „richtige“ Motorrad. Es war eine Suzuki Savage LS 650.

So harmonisch und erfolgreich ging es bis zum 26.Mai.2001 als Silvio durch einen PKW-Fahrer beim Überholen in der Ortslage Eibau übersehen wurde. Er wurde von der Straße abgedrängt, streifte ein Verkehrsschild, prallte gegen einen Gartenzaun und kam schwer verletzt vor einer Haustür zum Liegen.
Glück im Unglück: Im Haus wohnte ein Biker, Motorradrennfahrer und ausgebildeter Rettungssanitäter, der sich sofort um Silvio kümmerte. Silvio selbst weiß von dem Unfall recht wenig, da er trotz vorschriftsmäßiger Geschwindigkeit sofort von der Straße katapultiert wurde und unter Schock stand.

Danach ging alles ziemlich schnell. Mit dem Rettungswagen in das Krankenhaus Ebersbach, weiter mit dem Hubschrauber in die Universitätsklinik Dresden, wo er für eine Woche in ein künstliches Koma versetzt wurde, um nach weiteren 6 Wochen Intensivtherapiestation die erschütternde Diagnose „Querschnittlähmung“ zu erhalten. Silvio war nie der Typ, der vor Herausforderungen zurückschreckt bzw. vor Problemen resigniert. So meisterte er auch die sich anschließende Reha-Behandlung in Kreischa mit der gewohnten Kraft und dem Willen, aus der Situation das Beste zu machen. In 6 Monaten lernte Silvio vom Umgang mit dem Rollstuhl über die Bewältigung der täglichen Verrichtungen bis hin zur Beherrschung der eigenen Körperfunktionen (gaaanz vorsichtig
ausgedrückt) alles neu, das zu seinem jetzigen Dasein untrennbar gehören würde. Ein schwerer Weg, der von Höhen und Tiefen gekennzeichnet war, musste gegangen werden.

Kurz vor Weihnachten 2001 wurde Silvio in das familiäre Heim, das in der Zwischenzeit barrierefrei umgebaut worden war, entlassen. Der Umbau des Bades, Einbau eines Aufzuges und die Entfernung weiterer Barrieren im Haus waren hilfreiche materielle Dinge, die das Leben von Silvio beherrschbar machten und
eine gewisse Selbständigkeit zuließen. Viel schwerer war die Rückkehr für die Familie. Bei aller Freude darüber, daß Papa und Partner wieder zu Hause ist, bleibt doch die bittere Erkenntnis, daß der starke Vater, der fröhliche „Macher“, Freund und Spielgefährte der Kinder auf einmal sehr eingeschränkt ist
und zum Teil selbst Unterstützung braucht. Diese Situation hat besonders die kleinen Kinder stark mitgenommen. Doch Silvio lebte den Kindern vor, daß es gehen kann, mit gewissen Einschränkungen zu leben.

Er packte das neue Leben einfach an und lebte es. Im März 2002 kam das behindertengerechte Auto, so daß auch wieder eine gewisse Mobilität gegeben war. Die Zeit, die Silvio unfreiwillig zu Hause verbringen musste, war nun vorbei. Er konnte selbst entscheiden, ob er daheim bleibt oder ob er unter Leute „geht“. Silvio wäre nicht Silvio, wenn die Entwicklung nicht weiter gegangen und der „rote Faden“ nicht wieder aufgenommen worden wäre. Im Jahre 2007 wurde ein speziell auf Rollifahrer abgestimmtes Trike angeschafft und durch Freunde entsprechend den Erfordernissen komplettiert. Silvio war zurück unter den Bikern mit allen positiven Konsequenzen. So werden mit Freunden gemeinsame Fahrten organisiert.

Er engagiert sich im Verein Mofro e.V. und dort natürlich besonders im Bereich „Biken mit Handicap“. Weiterhin ist er bei den Kinderheimaktivitäten unseres Vereins immer ganz vorn mit dabei. Auch im privaten Bereich läuft bei Silvio wieder alles bestens. Nach der Trennung von seiner Frau ist er mit seiner neuen Lebensgefährtin Dana in sein Elternhaus nach Eibau umgezogen. Dort wurde eine schöne Wohnung barrierefrei saniert. Auf dem weitläufigen Grundstück halten die Beiden Ziegen, Kaninchen und Hühner. Die Flächenbewirtschaftung übernimmt Silvio selbst. Eine Rampe zum Aufsteigen auf den Rasentraktor macht es möglich! Silvio lebt auch seine Hobbys weiter aus. So fährt er zum Beispiel oft mit dem Handbike, keltert Wein und kocht Marmelade.
Wenn man Silvio bei all seinem Tun beobachtet, gewinnt man den Eindruck, daß er „angekommen“ ist. Was wie eine hohle Phrase klingt, wird bestimmt von allen, die Silvio näher kennen, bestätigt werden. Silvio legt gesteigerten Wert auf die Feststellung, daß seine gesamte positive Entwicklung nach dem Unfall ohne die Unterstützung von Familie und Freunden nicht möglich gewesen wäre.

PS: Alle Forschungen und wissenschaftlichen Entwicklungen in Bezug auf Rückenmarksverletzungen und Lähmungen werden von Silvio mit Argusaugen
beobachtet. Er ist der festen Überzeugung, daß er irgendwann wieder auf „eigenen Beinen stehen“ wird. Wir trauen es ihm zu.

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